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Ein Flug auf die „ÄuSSeren Hebriden“

by Stephan Weidenhiller

27. Juli 2008
   

Es ist Montag Morgen 06:30. Dicke Wolken liegen über dem erwachenden Flughafen der schottischen Metropole Glasgow. Auf der Abflugstafel finden sich Destinationen, die man sonst in anderen Teilen Europas nicht findet: Stornoway, Islay oder Benbecula. Letzteres ist heute mein erster Zielort. Benbecula ist eine kleine Insel auf den Äußeren Hebriden, den nordwestlichsten Eilanden der Britischen Inseln. Sie ist Luftlinie 820 Kilometer von London und 254 Kilometer von Glasgow entfernt. Sie wird eingerahmt von den beiden größeren Hebriden Inseln Nord - und Süd – Uist. Um 07:00 Uhr ist es Zeit zum einsteigen. Vom Gate 1 des 60er Jahre Terminals in Glasgow boarden ca. 25 Passagiere den Flug British Airways 8807 operated by Loganair. Somit ist die Saab 340B G-LGNA der schottischen Regionalfluggesellschaft sehr gut ausgelastet. Nach wenigen Minuten ist auch das Boarding completed, das Flugzeug zurück geschoben und die General Electric Turboproptriebwerke erwachen zum Leben. 5 Minuten später sind wir bereits von der Startbahn 05 des Flughafens Glasgow gestartet und durchfliegen die dichten schottischen Wolken mit Kurs Nordwest. Noch ist Loganair Franchisenehmer von British Airways. Im Inneren der Kabine ist alles wie beim britischen Flagcarrier aus London, die Sitze, die Safeties und auch das Catering. Selbst die Stewardess serviert in der edlen Uniform des Speedbirds. Ab Winterflugplan läuft das Franchiseabkommen aus und flyBE wird der neue Partner von Loganair. Erste Saab Maschinen sind bereits in einer Grundbemalung des britischen Low Cost Carriers unterwegs.

Nach 30 Minuten sind erste Wolkenlücken zu erkennen. Man befindet sich soeben über der Isle of Skye. Erst über der Seestraße „Kleiner Minch“ reißen die Wolken mehr und mehr auf und geben den Blick frei. Nach ca einer Stunde lande ich auf der Runway 06 des Inselflughafen von Benbecula. Schon im Anflug ist mir die spärliche Vegetation und Besiedelung aufgefallen. Wenige Minuten vor uns ist eine Shorts 360 der Streamline angekommen, aus der gerade Post, Zeitungen und andere Frachtstücke ausgeladen werden. Sie wird bis am Abend in Benbecula bleiben. Schnell haben die Passagiere das Flugzeug verlassen und bevölkern das kleine Terminal des Flughafens. Die Kofferausgabe ist auch sehr schnell erledigt. Statt eines Förderbandes gibt es hier eine abschüssige Rampe auf der die Koffer herunterrollen. Ich muss auf keinen Koffer warten, denn ich bin ja nur auf TagesausFLUG unterwegs. Aber das eigentliche Ziel des AusFLUGs ist die Insel Barra.

Für den Flug von Benbecula nach Barra konnte mir in Glasgow noch keine Bordkarte ausgestellt werden und so gehe ich zum Check-In in Benbecula. Nachdem ich binnen weniger Minuten die Einsteigekarte für den Weiterflug in Händen halte, erkundige ich mich noch nach etwaigen Sehenswürdigkeiten, die ich während meiner Wartezeit von ca. 2,5 Stunden anschauen könnte. Da dachte die Dame erst einmal lange nach. Sie meinte, dass es doch hier eigentlich nichts zum Ansehen gäbe, aber wenige Minuten zu Fuß vom Flughafen ist das Hauptdorf der Insel. Dort gibt es vielleicht was zu sehen. Also machte ich mich auf um das Dorf zu erkunden. Neben einer Schule, einem Postamt und einem Supermarkt gibt es hier wirklich nicht viel. Aber dennoch durchwanderte ich das Dorf und bekam einen guten Einblick in das raue Leben auf den Inseln. Nur selten sind die Äußeren Hebriden mit so einem schönen Wetter gesegnet, wie ich es habe. Ein stationäre Bankfiliale gibt es auch nicht, sondern einen umgebauten Minivan der durch die Straßen fährt und bei Bedarf anhält. Bei meinem Rückweg zum Flughafen landete dann eine Jetstream 31 der Highland Airways aus Stornoway......
   


Saab 340 der Loganair verkehren zwischen
Glasgow und Benbecula
 
 


Flug über dicke schottische Wolken


 


Das Terminal von Benbecula. Man achte
auf die unkonventionelle Art der Zeitungs-
sortierung vorm Terminal 
 
 


Das Innere des Terminals in Benbecula 
 


Typisches Haus auf den Äußeren Hebriden.
Der Besitzer sollte aber seinen
Vorgarten in Ordnung bringen
 


Rush hour am Flughafen Benbecula:
Streamline Shorts 360,
Highland Airways Jetstream 31
und Loganair Dash 6

        


Flug über South Uist


Anflug auf Barra von der Atlantikseite


Barras Terminal und der Strand
von North Bay
  
 


Twin Otter im Endanflug auf Barra


Landung am Strand: Wasser und Sand
werden aufgewirbelt

....Eine Stunde später landet dann mein Anschlussflug, die Dash 6-300 G-BVVK der Loganair aus Barra. Kurz nach der Landung werden die Passagiere zur Sicherheitskontrolle gebeten. Das Boarding verzögert sich etwas, da die Jetstream nun auch wieder fertig ist (man wartete auf Anschlusspassagiere aus Barra) und wegrollt. Aber die kurze Verzögerung stört hier keinen, da auf den Inseln die Uhren sowieso anderes laufen. Inklusive mir machen sich vier Passagiere auf, die Twin Otter zu besteigen, um zur 52km südlich gelegenen Insel Barra zu starten. An Bord befindet sich keine Stewardess und somit muss die Copilotin die Sicherheitsanweisungen geben. Wenige Minuten später ist auch mein Flug in der Luft und er nimmt Kurs auf den Strandflughafen von Barra. Der Flughafen ist eine Besonderheit: Er ist der einzige kommerziell angeflogene Flughafen weltweit, der planmäßig zweimal pro Tag von der Flut überschwemmt wird. Auch sucht man betonierte Start- und Landebahnen vergebens, denn man landet auf Sand. Der Strand von North Bay ist eine nach Osten hin geöffnete seichte Bucht und ist somit ideal als Flughafenstrand geeignet. Am westlichen Rand des Strandes ist das Flughafengebäude. 3 Start- und Landebahnen sind am Strand markiert und werden je nach Windrichtung benutzt.
  

 


Die Twin Otter „hoppelt“ über den Strand
zum Terminal   
 
  


Willkommen in Barra


Blick über die Bucht von North Bay


Die Gepäckausgabehütte  
 
 
  


Ground handling – Barra style


Ein weltweit einmaliges Hinweisschild


Blick vom Tower über die Bucht


Die Idylle von Barra. Mobiltelefone
funktionieren hier nicht

Nach einem 20minütigen Flug über Süd-Uist und anderen kleineren Hebriden Inseln befinden wir uns schon im Endanflug. In geringer Höhe geht es über eine Sanddüne und am Terminal vorbei, bis wir sanft auf Sand aufsetzen. Das von der letzten Flut in Mulden zurückgeblieben Wasser spritzt am Fahrwerk hoch. Im Gegensatz zu einer Landung auf Beton oder Asphalt ist das Landen auf Sand viel weicher. Nach einem kurzen Bremsweg drehen wir um und rollen über die kleinen Unebenheiten im Strand dem Terminal entgegen. Das Gebäude besteht nur aus einem großen kombinierten Check-In - und Warteraum inklusive Bar & Kaffee. Die Gepäckausgabe findet außerhalb des Gebäudes in einem bushäuschenähnlichem Anbau statt.  Circa 20 Minuten später ist die Twin Otter für ihren Weiterflug nach Glasgow wieder bereit. Am Rand des Strandes stehen bereits einige Touristen, die sich auch das Schauspiel „Start vom Strand“ ansehen wollen. Bis es wirklich soweit ist vertreibt man sich die Zeit einige leere Muscheln aufzusammeln. Den Passanten wird Mittels eines Windsacks gezeigt, ob sie auf den Strand dürfen oder nicht. Ist der Windsack gehisst, bedeutet das, dass Flugbetrieb stattfindet und der Zutritt verboten. Flattert er nicht im Wind, dann ist mit keinem Flug in nächster Zeit zu rechnen und man kann sich frei auf dem „Flugstrand“ bewegen. Inzwischen laufen beide Pratt and Whitney Canada Triebwerke und die Twin Otter hoppelt über den Sand zu ihrer Startposition. Nach wenigen Sekunden und einigem Aufwirbeln von Sand und Wasser ist sie in der Luft und entschwindet in Richtung Glasgow.

Ich habe nun 3,5 Stunden Zeit um mir die Insel näher anzusehen. Schnell hat die nette Stationsleiterin von Loganair einen entsprechend kompetenten Führer samt Auto aufgetrieben und los kann es gehen. Die Geschichte der Insel reicht weit zurück. Bereits die Wikinger waren auf der Insel tätig. Einige Ruinen, die weit über 1500 Jahre alt sein sollen, zeugen von der langen Geschichte Barras. Das Hauptdorf Castlebay wird bestimmt von der Kismuil Burg, die Mitten in der Bucht von Castlebay  auf einem Felsen im Wasser liegt. Derzeit leben circa 1200 Menschen auf Barra. Bekannt ist die Insel auch durch das Buch „Whisky Galore“ von Compton MacKenzie. Nach 2,5 Stunden ausführlichster Inselrundfahrt befinde ich mich wieder am Flughafen.
  
 



Nach dem Check-In habe ich noch die Möglichkeit den Tower zu besuchen. Die beiden Controller geben mir bereitwillig Auskunft über die Besonderheiten des Flugverkehrs an diesem weltweit einmaligen Strandflughafen. Der Flugplan ist fast jeden Tag anders, da auch die Gezeiten jeden Tag etwas anders sind. Da nur bei Ebbe Flugbetrieb stattfinden kann, muss der Flug entsprechend geplant werden. Daher gibt es auch im British Airways Flugplan den kleinen aber entscheidenden Hinweis: „Timings are subject to tides at Barra“. Nur an circa 10 Tagen im Jahr ist das Wetter so schön, wie an meinem Reisetag, aber trotzdem ist der Flughafen nur selten geschlossen. Das Minimum von 800 Meter Sicht ist meist erfüllt. Mit etwas Verspätung kommt um kurz vor 15:00 Uhr meine Maschine, wieder die G-BVVK, aus Glasgow an. Nach einem kurzen Turn around und einem Kaffee für die Besatzung wird auch schon wieder geboardet. Ein letzter Spaziergang über den Sand zum Flugzeug und schon heißt es Abschied nehmen von dieser herben aber schönen Insel. Fast ausgebucht ist nun dieser Flug nach Glasgow. Aber für die gutmütige Dash 6 ist das kein Problem.16 Sekunden dauert es bis die Twin Otter vom Strand abgehoben ist und sich auf den Weg in die schottische Metropole macht. Jetzt kehrt bis zum nächsten Vormittag wieder Ruhe am Strand ein. Zweimal wird das Meer Herr über den Airport sein.

Gemütlich brumme ich in der Twin Otter über die Hebriden See und lasse die Inseln von Coll und Mull hinter mir, überquere den Firth of Lorne, fliege an der Hafenstadt Oban vorbei bis ich nach ungefähr einer Stunde Flugzeit wieder am Flughafen Glasgow lande. Nun hat mich die Zivilisation wieder. Mobiltelefone, die auf Barra und Benbecula gar nicht funktionieren, bestimmen hier wieder das Geschehen. Ich habe noch 4 Stunden Aufenthalt bis meine Reise mit einem A319 der easyJet ganz unspektakulär nach Belfast weitergeht.


   


Die Kismuil Burg in der Bucht von Castlebay
 
 


Blick über die Bucht von Castlebay
 

 


Boarding für den Rückflug nach Glasgow 
 
  


Die Twin Otter rollt zu ihrem Startplatz


Take off nach Glasgow


Die letzten Ausläufer der Äußeren Hebriden 
  


Anflug auf den Airport von Glasgow


Die Twin Otter am Flugsteig in Glasgow